Freitag, 24. November 2017

Totensonntag

Am kommenden Sonntag ist Totensonntag. Ein Tag, an dem man der Toten gedenken soll, in diesem Jahr etwas überrollt von den vorgezogenen Weihnachtsmärkten, was bei vielen Menschen zu Empörung führt. 
Vor einigen Jahren habe ich diese Empörung einmal persönlich erfahren. Es war winterlich, es war rund um die Uhr dunkel, laut Kalender einige Tage vor dem Totensonntag. Ich hatte ein Haus voll kleiner Kinder und wollte ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Also habe ich mit ihnen zusammen den kleinen Baum vor dem Haus mit einer Lichterkette geschmückt und zusätzlich haben wir selbstgebastelte Schneeflockensterne in den Baum gehängt.
Am nächsten Tag hatten wir einen anonymen Brief im Kasten. Eine Nachbarin beschwerte sich bitterlich, dass wir die Lichtchen schon vor dem Totensonntag draußen angebracht hätten. Sie schrieb etwas von Würde und Unachtsamkeit und Weihnachtsgetöse und riet uns, die Ostereier gleich auch aufzuhängen.
Dieser Brief hat mich damals sehr betroffen gemacht. Denn für mich hat die Vorweihnachtszeit überhaupt nichts mit Getöse zu tun, dem Rummel kann ich mich ganz gut entziehen. Für mich bedeutet diese Zeit Besinnlichkeit, ein bisschen runterfahren, und ja, Lichterketten, Weihnachtsschmuck,  Plätzchenduft, das gehört schon auch dazu. Ich liebe Weihnachtsmärkte und Weihnachtslieder, Weihnachtsschmuck verteile ich am liebsten im ganzen Haus, ich mag die heimelige Stimmung, die mit den Kerzen einzieht, mag das Zusammenrücken im Haus, wenn es draußen fast gar nicht mehr hell wird. Und wenn ich nach einem langen Tag im Dunkeln nach Hause komme, dann freue ich mich auch über ein paar Lichtchen im Vorgarten, die mich begrüßen. Ich bin gerne bereit über den ökologischen Unsinn solcher Lichter zu reden, würde mein Haus auch niemals von oben bis unten mit strombetriebenen Lampen zuhängen, im Gegenteil, in den letzten Jahren sind wir zu echten Kerzen in großen Windlichtern übergegangen.


Was mich an diesem Brief und auch an der Entrüstung allerorts so betroffen macht, ist nicht die Kritik am Weihnachtsschmuck, sondern die Kritik am Zeitpunkt. Ich kann mit von oben verordneter Trauer so wenig anfangen. Es gibt auch in meinem Leben einige Menschen, deren Tod mir sehr zu Herzen gegangen ist, die ich vermisse und an die ich oft denke. Aber ich brauche dazu kein Datum, das mir vorschreibt, dass ich an diesem Tag zu trauern hätte, an diesem Tag auf den Friedhof gehen muss, damit auch die anderen sehen, dass ich traurig bin. Meine Trauer hat ihre Zeit, immer mal wieder, die fragt nicht nach Monaten und Wochentagen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es die Menschen, die in meinem Herzen weiterleben, auch nicht tun.
Manchmal stelle ich mir vor, dass sie da oben alle zusammensitzen, die Tage runterzählen bis zum kommenden Sonntag und dann Wetten abschließen, wer wohl die meisten Besucher am Grab verzeichnen kann.
Versteht mich nicht falsch, ich lasse denen, die solche Gedenktage brauchen, gerne ihren Totensonntag. So wie ich anderen auch ihren Muttertag lasse, obwohl der für mich in die gleiche Kategorie fällt. Liebe und Zuneigung lassen sich nicht diktieren. Auch nicht, wenn eine Kalender-App sich am Sonntag öffnet und mahnend an die Trauer erinnert.

Wir sollten besser von den Toten und Sterbenden lernen. Kürzlich las ich einen kleinen Bericht in der Zeitung, wonach eine Palliativ-Pflegerin in Sydney zusammengetragen hat, was Sterbende ihr anvertraut haben auf die Frage, was sie am meisten bedauern.

Am häufigsten wurden diese fünf Punkte genannt:

  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, wirklich mein eigenes Leben zu leben.
  • Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, anderen meine Gefühle auszudrücken.
  • Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.
  • Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.


Ich wünsche Euch, dass Ihr es schafft, diese fünf Punkte umzusetzen. Ganz egal, welcher Tag gerade im Kalender steht.



Sonntag, 19. November 2017

Lesen. Schreiben. Und der ganze Rest.

Der November ist Lesemonat. Ihr seht es an meiner Pinnwand auf der rechten Blog-Seite. Im November gibt es kaum einen Tag ohne ein oder zwei Lesungen. Am vergangenen Freitag war ich sogar für drei Lesungen in einer Grundschule unterwegs.
Da die Lesungen mich auch kreuz und quer durch Deutschland führen und nächste Woche sogar in die Schweiz, bleibt dazwischen wenig Zeit fürs Schreiben, jedenfalls zu wenig für alles, was ich eigentlich schreiben möchte.
Trotzdem bin ich am NaNoWriMo noch tapfer dran. Auch wenn der kleine NaNo-Kalender auf der linken Seite gruselig viele rote Felder hat, läuft es besser, als man auf den ersten Blick denken könnte.
Da ich so viel unterwegs bin, schreibe ich derzeit fast ausschließlich mit der Hand in Notizhefte. Da bin ich aber dann am Abend zu faul, die Wörter zu zählen und beim NaNo einzutragen. So kommen wesentlich mehr rote "das Ziel nicht erreicht" - Felder zustande, als es eigentlich sein dürften. Am Wochenende komme ich dann jeweils erst dazu, meine in der Woche entstandenen Texte abzutippen und vernünftig einzutragen. Und schwups, schon bin ich am vorgegebenen NaNo-Durchschnitt wieder so einigermaßen dran. Worauf ich in diesem stressigen Monat ehrlich stolz bin. Denn am Schluss zählt nur, ob man das Ziel erreicht hat. Wie auch immer.

Und auf noch etwas bin ich stolz: Ich habe einen neuen Job. Okay, einen Nebenjob. Aber einen so wunderbaren, dass ich mein Glück noch gar nicht fassen kann. Und mich ehrlich darauf freue, in diesen Job nach dem Lese-Marathon so richtig einzusteigen.


Ihr findet mich in Zukunft in regelmäßigen Abständen nicht nur am Schreibtisch, sondern auch in meinem Lieblingsbuchladen. Klar, getroffen habt ihr mich da auch früher schon öfter. Als Leserin. Als Bücher-Junkie. Aber seit ein paar Tagen könnt ihr mich dort hin und wieder auch als Buchhändlerin finden! Den ganzen Tag Bücher sichten, Bücher einräumen und vor allem Bücher empfehlen und verkaufen. Was für ein Traum! Und das Beste: Im Buchladen am Freiheitsplatz darf ich neben den beiden wunderbaren Bloggerinnen Buchbüchse und Pinkfisch arbeiten. Besser geht es kaum, oder? Ich werde auf jeden Fall berichten.



Dienstag, 14. November 2017

Fundsache 7

Ich weiß nicht, wer Manfred Schneider war, das kleine Heft stammt aus meiner Reclam-Sammlung, die ich zum 150. Jubiläum des Verlags mal wieder rausgekramt habe. Offensichtlich tat sich Manfred schwer mit Schiller.